NRW-Jugendspringer/in 2003:

Uschi Freitag und Philipp Becker bissen sich durch

Auch wenn das Wochenende damit wieder mal ganz zu war, den Abstecher nach Aachen ließ sich SV NRW-Vizepräsident Dr. Jürgen Kozel bei der Heimreise von einem Termin in Gummersbach am Sonntagnachmittag nicht nehmen. Getreu dem Motto "Ehrung, wem Ehre gebührt" zeichnete er dort in der Westhalle am Rande der NRW-Jugendhallenmeisterschaften 2004 Uschi Freitag und Philipp Becker als die besten Nachwuchsspringer und Anne-Kathrin Hoffmann zur besten Nachwuchstrainerin 2003 aus. Bevor er den Geehrten die Geldpreise und das Ausrüstungspaket des SV NRW-Sponsors "Solar" überreichte, ließ er noch einmal die Gründe, die zur Wahl durch den Hauptfachausschuss geführt hatten, Revue passieren:

Nach schwerer Verletzung zurück

Die hoch talentierte Überfliegerin war Uschi Freitag nie. Mit viel Fleiß hatte sich die in Maastricht wohnende Springerin mit der niederländischen und deutschen Staatsangehörigkeit in ihrem Jahrgang in Deutschland in die Medaillenränge gearbeitet. Bei der Hallen-DM der C-Jugend im Februar 2002 in Berlin passierte es dann: Als sie sich nach Bronze vom 3m-Brett am zweiten Tag beim morgendlichen Aufwärmtraining einen Nackenwirbel brach, drohte das frühe Ende ihrer Karriere. Doch nach gelungener Operation und monatelanger Ruhigstellung wollte Uschi zurück auf die Bretter, die für sie zumindest einen Teil der Welt bedeuten. Der Turm war auf ärztliche Anordnung endgültig passé, und auch das Trampolin - ein ganz wichtiges Hilfsgerät zur Vorbereitung der schwierigen Sprünge - war für längere Zeit tabu. Doch mit eisernem Willen und dem Spaß am Springen kam sie zurück, und wie: Genau ein Jahr nach ihrem gefährlichen Unfall holte sich die inzwischen B-Jugendliche im Februar 2003 in Halle völlig überraschend die Jugend-DM-Titel vom 1m- und 3m-Brett! Als Lohn ihrer diesjährigen Leistungen schaffte sie den Sprung in den D/C-Kader des DSV. Ihre Serien hat Uschi weiter aufgestockt und auch den Trainingsumfang gesteigert. Um das alles mit der Schule vereinbaren zu können, helfen die bei den Masters selber noch aktiven Eltern. Doch täglich zwei Stunden Fahrtzeit gehen nicht nur zu Lasten von Schule und Freizeit, sondern auch mächtig ins Geld.

Aus dem Tief zur JEM

Für Philipp Becker begann die Saison 2001/2002 eigentlich nicht schlecht. Dreimal Silber holte Normans jüngerer Bruder bei seiner ersten Deutschen Hallenmeisterschaft in der B-Jugend. Doch im Sommer lief dann fast gar nichts mehr. Seinem Vater und inzwischen auch Trainer vertraute Philipp nach der Hallen-DM 2003 - als er den Abstand zu seinen nationalen JEM-Konkurrenten kaum verkürzen konnte - bereits Rücktrittsgedanken an. Innerhalb eines Jahres stark gewachsen, kam der ehemalige "Kleine" mit seinen neuen Körperproportionen noch nicht richtig zurecht. Platz vier vom 3m-Brett beim Internationalen Lambertz-Printenspringen deutete dann die Wende an: Erstmals seit längerer Zeit ließ Philipp mit sehr guter Punktzahl zwei seiner drei schärfsten deutschen Konkurrenten hinter sich. Bei den Sommermeisterschaften folgte dann eine kleine Leistungsexplosion: In allen drei Disziplinen verbesserte er sich um jeweils fast 70 Punkte, gewann einmal Silber und dreimal Bronze und krönte seine Leistung vom 3m-Brett mit der zum Jahresbeginn kaum für möglich gehaltenen Fahrkarte zur JEM nach Edinburgh. Auch wenn dort "nur" Platz zehn heraus sprang - mit 336,30 Punkten bestätigte Philipp sein gutes DM-Resultat und schaffte als C-Kader die Aufnahme in die DSV-Nationalmannschaft.

NRW-Nachwuchstrainerin 2003: Anne Hoffmann

Anne Hoffmann leistet am Landesleistungsstützpunkt Aachen eine hervorragende, in ganz Deutschland anerkannte Arbeit bei der technisch sauberen Ausbildung ihrer Nachwuchsspringer/innen. Ihre C-Jugendlichen Christian Lulinski, Johannes Donay und Rico Barthel führte sie in die deutsche Nachwuchs-Spitze hinein. Neben ihren DM-Medaillen 2003 (Christian: 7 x Gold, 1 x Silber, Johannes 1 x Gold, 3 x Silber, 3 x Bronze, Rico 8 x Gold) landeten Christian und Johannes auch bei internationalen Meetings (Virgina Cup in Patras / GRE, 16. Internationales Lambertz-Printenspringen in Aachen) ganz vorne.

Abschließend durften sich noch drei Vereine über einen Scheck freuen: Für die beste sportliche Jugendarbeit bei den Wasserspringern - eine Auszeichnung, von der der SV Neptun Aachen wegen der ungleichen Ausgangsbedingungen ausgeschlossen ist - nahm Ursula Weber vom Duisburger SSC den 1. Preis, Edith Wicharz für die TPSG Köln den 2. und Heidrun Otto für den 1. SV Köln knapp vor dem SV Münster 91 den 3. Preis entgegen.

Hans Alt-Küpers

Durch Vizepräsident Dr. Jürgen Kozel (2. v.r.) ausgezeichnet (v.l.): Heidrun Otto, Edith Wicharz, Uschi Freitag, Ursula Weber, Philipp Becker und Anne Hoffmann.